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RMS Amazon-1-

Eine Zeichnung der Amazon

Die RMS Amazon war ein 1851 gebauter Raddampfer der britischen Reederei Royal Mail Line, der auf seiner Jungfernfahrt im Januar 1852 auf dem Nordatlantik aus ungeklärten Umständen abbrannte, explodierte und sank. 104 Passagiere und Besatzungsmitglieder kamen dabei ums Leben.


Das Schiff Bearbeiten

Der Raddampfer Amazon wurde am 1. September 1850 auf der Werft R. & H. Green Ltd. im Londoner Stadtteil Blackwall auf Kiel gelegt und lief am 28. Juni 1851 auf der Themse vom Stapel. Das Schiff war längst nicht fertig, doch die Reederei wählte dieses Datum aus Prestigegründen, weil es sich um den 13. Jahrestag der Krönung von Königin Victoria handelte. Zahlreiche Ehrengäste wurden zur Schiffstaufe geladen, darunter William Hare, 3. Earl of Listowel, General Lord Alfred Henry Paget mit Ehefrau, Agustín de Silva y Bernuy, 9. Graf von Salvatierra, Admiral Sir Baldwin Walker, Sir Edward Belcher und General José María Paz. Cecilia Wyndham, Lady Paget, taufte das Schiff auf den Namen Amazon.

Das Schiff verdrängte 2250 britische Tonnen. Der aus Holz gebaute Rumpf der Amazon war 91 Meter lang, 13 Meter breit und hatte einen Tiefgang von 6,58 Metern. Sie hatte drei Decks. Der Dreimast-Dampfer wurde mit zwei Kolbenmaschinen von Seaward and Capel auf zwei Schaufelräder angetrieben, die einen Durchmesser von je 12,40 Metern hatten. Die Maschinen leisteten zusammen 800 PS. Die durchschnittliche Reisegeschwindigkeit des Schiffs lag bei 11,6 Knoten. Bei den Probefahrten von der Themse nach Southampton wurde aber zeitweise eine Höchstgeschwindigkeit von 13,6 Knoten erreicht. Während der Probefahrten, die zu aller Zufriedenheit verliefen, waren Vertreter der Reederei, der Regierung und der Maschinenhersteller an Bord. In den Kesselräumen wurde in 26 Feuerungen Dampf erzeugt. Es wurde geschätzt, dass das Schiff pro Reise etwa 1000 Tonnen Kohle verbrauchen würde.

Die Amazon wurde für die 1841 gegründete Reederei Royal Mail Line mit Sitz in London gebaut, was auch ihr Heimathafen war. Das Unternehmen betrieb einen sehr erfolgreichen Liniendienst nach Südamerika und in die Karibik. Die Amazon sollte Passagiere, Fracht und Post von Großbritannien zu den Westindischen Inseln bringen. Sie war das bis dahin größte Schiff ihrer Reederei. Am 16. Dezember 1851 traf das fertige Schiff in Southampton ein und wurde für seine Jungfernfahrt vorbereitet. William Symons wurde zum Kapitän der Amazon ernannt. Symons hatte bis dahin die 1841 in Dienst gestellte Medway kommandiert. In all seinen Dienstjahren hatte es nie einen Unfall gegeben.


Der Untergang Bearbeiten

Am Freitag, dem 2. Januar 1852 um 15.30 Uhr legte die Amazon mit 111 Besatzungsmitgliedern, zwei Vertretern der britischen Admiralität und 50 Passagieren an Bord in Southampton zu ihrer Jungfernfahrt zu den Westindischen Inseln und zum Golf von Mexiko ab. Insgesamt waren 163 Menschen an Bord. Viele hochrangige Vertreter der Reederei waren zum Pier gekommen, um die Abfahrt mitzuerleben. Der Wert der Ladung des Schiffs wurde nach damaligem Geldwert auf 100.000 Pfund Sterling geschätzt. Darunter befanden sich 20.300 Pfund in Anlagemünzen und 500 Flaschen Quecksilber im Wert von 5.150 Pfund. In den Kohlenbunkern waren 1.133 Tonnen Kohle gelagert.

Um ca. 00.45 Uhr morgens am 4. Januar, als sich die Amazon 180 km südwestlich der Scilly-Inseln befand, brach im vorderen Bereich des Schiffs an Steuerbord ein Feuer aus, das schnell außer Kontrolle geriet. Der Brand wurde entdeckt, als Flammen durch eine Luke vor dem vorderen Mast stießen. Schnell wurde Alarm ausgelöst. Zu dem Zeitpunkt hatte der Zweite Offizier Charles H. Treweeke das Kommando auf der Brücke. Kapitän Symons und der Erste Offizier Henry Roberts kamen in Hemd und Unterhosen an Deck gestürmt. Auch die Passagiere erwachten und kamen in Nachtbekleidung an Deck. Feuerlöschschläuche und Pumpen wurden zum Einsatz gebracht, konnten aber mit ansteigender Hitze und den sich ausbreitenden Flammen nach kurzer Zeit nicht mehr bemannt werden. Starkwind aus südwestlicher Richtung fachte die Flammen zusätzlich an. In der Hitze begannen sämtliche Scheiben zu platzen.

Die Versuche, die Rettungsboote zu Wasser zu lassen, endeten fast ausnahmslos katastrophal. Das erste Boot, das das brennende Schiff mit zwei Dutzend Menschen an Bord verließ, schlug nach dem Aufsetzen auf das Wasser voll und sank; keiner der Insassen überlebte. Das nächste Boot blieb mit dem vorderen Fall am Schiffskran hängen, sodass sämtliche Personen darin in die See geworfen wurden. Ein weiteres Boot riss sich los und stürzte kieloben ab. Eines verschwand spurlos in den stürmischen Wellen. Nur zwei Boote konnten erfolgreich abgesetzt werden. Viele Passagiere verbrannten oder erstickten noch in ihren Kabinen, andere ertranken während der Versuche, die Boote zu wassern. Währenddessen setzte starker Regenfall ein. Nacheinander stürzten alle drei Masten um. Einige Menschen kletterten in ihrer Panik auf die Schaufelräder.

Gegen 05.00 Uhr morgens explodierte das Magazin des Schiffs, welches eine halbe Stunde später unterging. Dabei stürzten die Schornsteine um. 104 der 163 Menschen an Bord kamen bei dem Unglück ums Leben. Die Brigg Marsden, die unter dem Kommando von Kapitän Evans auf dem Weg von London nach North Carolina war, rettete gegen Mittag am 4. Januar 21 Überlebende aus einem der Rettungsboote und brachte sie am darauf folgenden Tag nach Plymouth. Es wurde zunächst befürchtet, dass dies die einzigen Geretteten waren. Kurz danach wurde aber bekannt, dass 25 weitere Personen von der niederländischen Galiot Gertruida (Kapitän Teinelaer) aufgenommen und in Brest an Land gebracht worden waren. Am 16. Januar legte der Rettungskutter Royal Charlotte (Kapitän Lilburn) mit weiteren 13 Überlebenden in Plymouth an. Er hatte sie von dem niederländischen Schiff Hellechina aufgenommen.

Insgesamt überlebten 14 Passagiere und 45 Besatzungsmitglieder. Es waren nur zwei Frauen dabei, die Passagierinnen Miss Anna Maria Smith und Mrs. Elenor Roper McLennan. Mrs. McLennans 18 Monate alter Sohn war das einzige Kind, das überlebte. 104 Menschen kamen ums Leben, darunter 36 Passagiere, Kapitän Symons, alle Offiziere und das einzige weibliche Besatzungsmitglied, die Stewardess Elizabeth Scott. Das prominenteste Todesopfer war der damals populäre irische Romanautor und Reiseberichterstatter Elliot Warburton. Die Unglücksursache ist bis heute unbekannt. Damalige Berichte gingen davon aus, dass die Kessel überhitzt waren und den Brand ausgelöst haben.

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