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Die U-Boote der Klasse 212 A sind die derzeit modernsten Diesel angetriebenen U-Boote der Welt. Sie sind weltweit die ersten außenluftunabhängigen Boote, deren außenluftunabhängiger Antrieb auf Brennstoffzellen basiert. Die ersten nicht-nuklearen Außenluftunabhängigen Boote gehören zur schwedischen Gotland-Klasse der Firma Kockums.

Deutschland hat 4 in betrieb hat aber 2 weitere bestellt. Andere Länder haben die Klasse auch in Auftrag gegeben.
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Geschichte Bearbeiten

Planung und Bau Bearbeiten

Die taktisch-operative Forderung nach außenluftunabhängigen Booten war bereits bei der Kriegsmarine gegeben, scheiterte jedoch in der Durchsetzung an technischen Problemen. Nach dem Krieg setzte sich als technische Lösung der Nuklearantrieb in einigen Marinen durch. Deutschland war aber innerhalb der NATO bündnispolitisch auf eine maritime Juniorrolle gewiesen. Nach 1990 lockerte die NATO Restriktionen in Bezug auf die Ausstattung der deutschen Marine, die nun ein großes kampfkräftiges Boot planen durfte. Die Klasse 212 wurde von einer Arbeitsgemeinschaft (ARGE U 212) der deutschen Unternehmen Howaldtswerke-Deutsche Werft (HDW) und Nordseewerke (NSWE) entwickelt. Beide, wie auch das schwedische Unternehmen Kockums, gehören heute zu ThyssenKrupp Marine Systems.

Versuche zum außenluftunabhängigen Antrieb mit Brennstoffzellen unternahm ein Konsortium von HDW, Ferrostaal (heute MAN Ferrostaal AG) und IKL bereits Anfang der 1980er Jahre; eine erste HDW-Landtestanlage mit 104 kW entstand 1983 in Kiel. 1986 wurde eine Versuchsanlage gleicher Leistung an Bord von U 1 eingebaut und ab 1988 erprobt.

Im selben Jahr verpflichtete sich die Bundesmarine im Rahmen einer Kooperation mit Norwegen, auf ihrer neuen U-Boot-Klasse 211 ein norwegisches, integriertes Computer-Führungssystem einzubauen. Im Frühjahr 1987 wurde diese Klasse gestrichen und daher die Planungen für die Nachfolgeklasse 212 vorgezogen, für die dann im Dezember 1987 die taktischen Anforderungen feststanden. Bereits für die Klasse 211 entwickelte Komponenten und der Vertrag mit Norwegen wurden für die neue Klasse übernommen. Die militärisch-wirtschaftlich-technische Forderung (MWTF) stand im Mai 1994 fest, der Bauvertrag für die Klasse 212 wurde im Juli 1994 unterzeichnet. 1996 schloss sich Italien dem Programm an; der für die italienischen Anforderungen überarbeitete Entwurf wurde in Klasse 212 A umbenannt. Ein Boot der Klasse 212 (ohne A) hat es somit nie gegeben.

Bei der Entwicklung der Klasse 212 A ergaben sich Synergieeffekte mit der seit 1986 laufenden Entwicklung von U-Booten der Dolphin-Klasse für die Lieferung an Israel; die Dolphin-Boote erlaubten den Test von Komponenten für die zukünftige Klasse. Ebenso gab es Synergieeffekte für die deutsche Fahrzeugindustrie, in der man besonders große Hoffnung auf die Brennstoffzelle setzte .

Das Typboot U 31 wurde am 1. Juli 1998 auf Kiel gelegt und am 20. März 2002 getauft. Es begannen im August 2002 die Funktionsnachweise im Hafen, ab April 2003 auf See.[4] Im März 2004 begann die Erprobung in der Deutschen Marine. U 31 bildet mit drei weiteren Booten der Klasse (U 32, U 33 und U 34) das erste Baulos. Die Entwicklung der Klasse kostete Deutschland etwa 150 Mio. €, der Bau der vier Boote für die Deutsche Marine jeweils gut 400 Mio. €.

Um die magnetischen Signaturen der neuen, größeren Boote vermessen und so deren erschwertes magnetisches Ansprechverhalten auf magnetische Seeminen sichern zu können, entstand von 2001 bis November 2005 in Schirnau-Lehmbek ein neuer Erdmagnetfeldsimulator für etwa 40 Mio. €.

Modifikationen Bearbeiten

Ab 1996 wurde für die italienische Marine ein Baulos von zwei Booten der Klasse 212 A realisiert; die ausführende Werft war Fincantieri in La Spezia, die Brennstoffzellenanlage kam allerdings direkt von HDW. Es besteht eine Option auf zwei weitere Boote. Die beiden Boote heißen Todaro und Scirè und unterscheiden sich von den deutschen Booten nur geringfügig durch die Berücksichtigung italienischer Zulieferer, zum Beispiel bei den Ausfahrgeräten und dem Lenkstand. Die große Tauchtiefe der Klasse 212 A geht auf italienische Forderungen in der Entwicklungsphase zurück.

Das geplante zweite Baulos für die Deutsche Marine sieht keine tiefgreifenden Änderungen gegenüber den vier ersten Booten vor. Erweitert werden sollen die Fähigkeiten zum weltweiten Operieren, zum Einsatz von Spezialeinheiten und zur verdeckten Aufklärung. Hierzu wird ein neues Indra Satellitenkommunikationssystem (X-Band) mit einer Leistung von 128 kb/s zur Sprach- oder Datenübertragung in Periskoptiefe integriert. Die Computersysteme werden verbessert, anstelle des Kongsberg MSI-90U Einsatzführungssystems kommt Atlas Elektroniks integriertes Sensor-Unterwassersystem zum Einsatz. Das Sonar wird überarbeitet (Ersatz der Flankenbasis durch eine Flächenantenne), eines der Sehrohre wird durch einen Carl Zeiss OMS 100 Optronikmast mit einem SERO 400 Periskop ersetzt, eine Vier-Mann-Schleuse für Kampfschwimmer wird eingebaut und die Klimaanlage wird tropenfähig ausgelegt. Herzstück der verbesserten Kommunikationsfähigkeiten ist die Antennenboje „Callisto“ von Gabler Maschinenbau, die an der Spitze eines Ausfahrmastes eingeklinkt als normales Antennensystem dient. Am Schleppkabel ausgeklinkt erlaubt sie dem tiefgetauchten Boot, auf allen Frequenzbändern terrestrisch und mit Satelliten zu kommunizieren.

Gegenwart und Zukunft Bearbeiten

Am 25. April 2006 stellte U 32 mit zwei Wochen ununterbrochener Tauchfahrt, ohne zu schnorcheln, einen neuen Rekord für nichtnuklear angetriebene U-Boote auf. Dies geschah während einer Verlegung von Eckernförde nach Rota in Spanien.

Am 22. September 2006 wurde durch das Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung ein weiteres Los, bestehend aus zwei Booten der Klasse 212 A, bestellt, die 2012 bzw. 2013 geliefert werden sollen. Ursprünglich sollte auch das zweite Los aus vier Booten bestehen. Perspektivisch benötigt die Deutsche Marine zwölf Boote der Klasse, um ihre bisherigen Einsatzaufgaben zu erfüllen und die 2010 außerdienst gestellten Vorgängerboote abzulösen, aus finanziellen Gründen ist jedoch nicht absehbar, ob und wann weitere Boote bestellt werden. Innerhalb der 2010 besprochenen Neuausrichtung deutscher Streitkräfte wird auch die einsatznotwendige Anzahl von Marineeinheiten auf den Prüfstein kommen.

Die italienische Marine plant ebenfalls die Beschaffung eines zweiten Bauloses von zwei weiteren Booten, deren Baubeginn für 2010 geplant ist. Die Auslieferung wird für 2015 respektive 2016 für die zweite Einheit anvisiert. Die Modifikationen für das zweite Los der deutschen Marine, welche vor allem die Fähigkeiten für internationale Einsätze verbessern sollen, werden die italienischen Boote allerdings nicht erhalten. Somit werden die Boote des zweiten italienischen Bauloses technisch nahezu identisch sein mit den Booten des ersten Bauloses beider Länder. Mit dem Zulauf der beiden neuen Einheiten werden die beiden älteren – Salvatore Pelosi und Giuliano Prini – der vier noch in Dienst befindlichen U-Boote der Sauro-Klasse außer Dienst genommen werden.



Technik Bearbeiten

Bewaffnung Bearbeiten

Die Hauptwaffe des Bootes sind Torpedos vom Standardkaliber 533 mm. Diese werden aus Torpedorohren geschossen, wobei im Gegensatz zu früheren Booten keine Ablaufrohre, sondern Ausstoßrohre zum Einsatz kommen. Der Torpedo wird also nicht schon im Rohr gestartet, sondern mit Druckwasser aus dem Rohr ausgestoßen und läuft erst kurze Zeit später an. Dies verhindert die Ortung des Bootes beim Abschuss der Waffe. Die Torpedorohre sind, was relativ ungewöhnlich ist, aus Platzgründen asymmetrisch angeordnet; vier Rohre befinden sich versetzt backbords, zwei Rohre steuerbords der Mittellinie.

Insgesamt können 12 Schwergewichtstorpedos vom Typ DM2A4 „Seehecht“ mitgeführt werden. Der Torpedo wird nach dem Schuss über einen Lichtwellenleiter (Glasfaser) gelenkt und von Silber-Zink-Batterien über einen Elektromotor angetrieben. Alternativ können bis zu 24 Rohrminen mitgeführt werden; je zwei Minen ersetzen einen Torpedo. Damit ist der Typ 212 das erste deutsche Nachkriegsboot, dass von der NATO Zweitschussfähigkeiten pro Rohr zugebilligt bekommen hat.

Als Torpedogegenmaßnahme ist das Täuschkörperausstoßsystem TAU 2000 (Torpedoabwehr Uboote) installiert. Die vier Ausstoßcontainer mit je zehn Täuschkörpern befinden sich vor dem Turm im freiflutenden Oberschiff, also außerhalb des Druckkörpers. Bei den Booten des Los 1 ist dieses System noch nicht eingebaut, es soll beim Los 2 realisiert werden.

Für die Zukunft ist der Einbau des Waffensystems IDAS geplant; dieser lichtwellenleitergelenkte leichte Flugkörper kann getaucht ausgestoßen werden und von der Wasseroberfläche aus Luftziele wie ASW-Hubschrauber oder auch Landziele angreifen. In ein Torpedorohr kann ein Revolvermagazin mit vier IDAS geladen werden.

Elektronik Bearbeiten

Als Hauptsensoren sind mehrere passive Niederfrequenz-Sonarbasen eingebaut (Zylinderbasis, Flankenbasis, Schleppsonar, passives Entfernungsmesssonar, Abfangsonar für feindliche Sonarsignale); dazu kommt ein aktives Hochfrequenzsonar. Als optische Systeme sind Zeiss-Optronik-Sehrohre installiert; das Beobachtungssehrohr SERO 14 ist mit einer Wärmebildkamera, GPS-Antenne und Antenne für elektronische Unterstützungsmaßnahmen, das Angriffssehrohr SERO 15 mit einem Laser-Entfernungsmesser, beide mit optischen Entfernungsmessern ausgestattet. Die optische Ausrüstung ist anders als bei den Vorgängerbooten dazu geeignet, auch nächtliche Aufklärung von Landzielen durchzuführen

Alle Sensoren und Waffensysteme des Bootes sind durch ein integriertes Computersystem des Typs MSI-90U Mk1+ des norwegischen Herstellers Kongsberg verknüpft. Im Sprachgebrauch der Bundeswehr heißt dieses FüWES (Führungs- und Waffeneinsatzsystem). Es wird über 20 Farbbildschirme bedient.. Die Boote des 2. Loses erhalten ein System von Atlas


Rumpf Bearbeiten

Der Rumpf ist stromlinienförmig mit zylindrischem Mittelschiff und damit auf hohe Unterwassergeschwindigkeit ausgelegt. Der Turm erinnert in seiner organischen Form eher an sowjetische als andere westliche Entwürfe. Die vorderen Tiefenruder sind am Turm montiert. Dies reduziert die Strömungsgeräusche am Rumpf, was die Sonarbedingungen verbessert. Die achteren Ruder sind diagonal (als X-Ruder) ausgelegt; dies hat eine Reihe von Vorteilen, so insgesamt geringeren Wasserwiderstand, geringere Mindestwassertiefe bei Tauchfahrt und ein geringeres Risiko von Ruderschäden in Grundnähe.

Der Typ verfügt, wie schon die ältere Klasse 206, über eine Außenhülle aus nichtmagnetisierbarem Stahl. Damit ist es schwieriger, das U-Boot mit elektromagnetischen Detektoren aufzuspüren, und es wird damit auch eine größere Sicherheit in verminten Seegebieten erreicht. Um die Ortbarkeit weiter zu erschweren, ist das Boot mit einem speziellen Kunststoff beplankt.


Antrieb Bearbeiten

Neben der konventionellen Anlage aus Blei-Säure-Akkumulator (EnerSys-Doppeletagenzellen) und einem Dieselgenerator (Motor: MTU 16V 365, Generator: Piller, 1050 kW) ist eine HDW-Brennstoffzellenanlage eingebaut, die von der Außenluft unabhängig Strom liefern kann. Die neun wassergekühlten Polymer-Elektrolyt-Membran-Brennstoffzellenmodule werden von Siemens hergestellt und leisten zusammen 306 kW. Sie werden mit flüssigem Sauerstoff aus Drucktanks und Wasserstoff aus Metallhydridspeichern gespeist; als einziges Abfallprodukt fällt chemisch reines Wasser an, das als Brauchwasser genutzt wird. Sowohl die zwei zylindrischen Sauerstofftanks als auch die röhrenförmigen Wasserstoffspeicher befinden sich außerhalb des Druckkörpers; um den flüssigen Sauerstoff zu verdampfen und den Wasserstoff aus den Metallhydriden auszutreiben, wird das Kühlwasser der Brennstoffzellen genutzt.

Der Dieselgenerator ist doppelt entkoppelt auf einem „schwimmenden Deck“ gelagert, um möglichst wenig Schall an den Rumpf und darüber an das Wasser abzugeben. Die Antriebsanlage erlaubt das Fahren aus dem Bleiakkumulator oder (aufgetaucht oder in Schnorchelfahrt) nur mit dem Dieselgenerator. Die Brennstoffzelle wirkt stets nur auf die Batterie.

Angetrieben wird das Boot in jedem Fahrmodus über einen direkt auf die Propellerwelle montierten in Berlin hergestelltem Siemens-Synchronmotor 1FR6134 mit Permanentmagneterregung („Permasyn“), der im Vergleich zu konventionellen U-Boot-Gleichstrommaschinen kompakter und leichter ausfällt. Der neuartige Motor wird durch Frequenzumrichter angesteuert, die zur Platzersparnis in Form keilförmiger Module im Innern des glockenförmigen Motorläufers angeordnet sind. Er kann zudem stufenlos ohne Schaltgeräusche und Spannungsspitzen durch alle Drehzahlbereiche geregelt werden, produziert geringe elektromagnetische Abstrahlungen und wenig Abwärme. Eine aktive Geräuschunterdrückung verringert niederfrequenten Schall. Da der Motor im niedrigen Drehzahlbereich mehr Drehmoment abgibt als konventionelle Maschinen, erlaubt er, einen besonders großen und effizienten Propeller zu verwenden.Der siebenflügelige Sichelpropeller soll besonders geringe Fahrgeräusche verursachen. Wie bei aktuellen Schraubenentwürfen für U-Boote üblich, wird seine Form geheimgehalten; auf Fotos ist die Schraube entweder abgedeckt oder es wurde eine Ersatzschraube montiert.



Elektronik (siehe Abschnitt zu Modifikationen).